Stiefelbaum Hontheim

Der sogenannte Stiefelbaum findet in der Vulkaneifel nahe Hontheim, direkt an der Bundesstraße B 421. Es handelt sich um eine einzelne Eiche am Straßenrand, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – wäre da nicht der ungewöhnliche „Schmuck“ in ihren Ästen: zahlreiche alte Stiefel und Schuhe. Seinen Namen verdankt der Baum einem Brauch aus der Zeit der Stationierung amerikanischer Streitkräfte in der Region.

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Zwischen den 1960er-Jahren und 1991 befand sich in der Nähe eine militärische Anlage, unter anderem eine Fliegerabwehrbatterie der US-Armee. Viele Soldaten, die dort ihren Dienst ableisteten, pflegten ein Ritual zum Ende ihrer Dienstzeit: Am Tag ihrer Entlassung warfen sie ihre zusammengeschnürten Militärstiefel in den Baum.

Stiefel wie diese brachten der Eiche ihren Namen ein… manche von ihnen hängen hier schon seit vielen Jahren. © Stephanie Zang

Mit diesem Brauch war ein Aberglaube verbunden: Blieben die Stiefel in den Ästen hängen, galt das als Zeichen dafür, dass der Soldat endgültig nach Hause zurückkehren konnte. Fielen sie hingegen wieder herunter, sollte dies bedeuten, dass eine erneute Versetzung nach Hontheim bevorstand. Dieses einfache Ritual verbreitete sich unter den Soldaten und führte dazu, dass sich im Laufe der Jahre immer mehr Stiefel im Baum sammelten.

In einer Kurve der B421 gelegen kann man den Stiefelbaum beinahe übersehen, wunder sich vielleicht nur, was hier für seltsame Früchte hängen… © Stephanie Zang

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Schließung der militärischen Einrichtungen im Jahr 1991 verlor der Baum seine ursprüngliche Funktion. Dennoch blieben viele der Stiefel erhalten und machten ihn zu einem sichtbaren Relikt dieser Zeit. Heute erinnert der Stiefelbaum damit nicht nur an ein ungewöhnliches Soldatenritual, sondern auch an die jahrzehntelange Präsenz amerikanischer Streitkräfte in der Eifel.

Bis in die Baumkrone hinauf lassen sich die unzähligen Schuhe erkennen. © Stephanie Zang

Wer genau hin sieht, wird jedoch nicht nur bzw. kaum noch amerikanische Stiefel dort entdecken, denn was als „Boot tree“ mit Soldatenstiefeln begann, wurde im Laufe der Jahre von anderen aufgegriffen: Wanderer, Besucher und Einheimische hängten ebenfalls Schuhe auf, sodass sich der Baum nach und nach füllte. Heute finden sich dort: Wanderstiefel, Turnschuhe, Ballerinas und viele mehr. Sicherlich hat jedes Paar seine ganz eigene Geschichte und dessen Wurf hinein in die Äste seine eigene Bedeutung für die einstigen Besitzer.

Zahlreiche Schuhpaare schmücken den Stiefelbaum. Sie alle wurden in sein Astwerk hinauf geworfen. © Stephanie Zang
Ob Stöckelschuh oder wasserdichter Wanderbegleiter – die Formen und Farben der Schuhe im Baum sind inzwischen sehr abwechslungsreich. © Stephanie Zang

In den 2000er-Jahren wurde die Bedeutung des Baumes auch lokal stärker wahrgenommen. Ein Verein, die „Freunde des Stiefelbaumes“, engagierte sich für seinen Erhalt und seine Pflege. Ziel ist es, den Baum als Teil der regionalen Geschichte zu bewahren und gleichzeitig auf seine besondere Herkunft aufmerksam zu machen. Dazu gehören auch Maßnahmen wie Informationstafeln oder Sitzgelegenheiten für Besucher.

In den Feldern, die den Baum umgeben finden sich Rad- und Wanderwege sowie Sitzgelegenheiten, die zu einer Erkundung der Umgebung in der Eifel einladen.  © Stephanie Zang
Der Stiefelbaum ist eine lokale Besonderheit, die Klein und Groß ins Staunen versetzt und weiter erhalten bleiben soll . © Stephanie Zang

Heute ist der Stiefelbaum ein kleiner, aber bekannter Anlaufpunkt in der Region. Er liegt gut sichtbar an der Straße und wird oft im Vorbeifahren entdeckt. Für viele ist er eine Kuriosität, für andere ein Stück Zeitgeschichte. In jedem Fall verbindet er auf ungewöhnliche Weise Natur, Erinnerungskultur und ein Ritual, das aus einer ganz bestimmten historischen Situation heraus entstanden ist.

Bei manchen Schuhen fragt man sich, wie genau sie in diese luftigen Höhen gelangen konnten – ob wirklich durch einen gezielten Wurf, oder vielmehr auch eine kleine Kletterpartie. © Stephanie Zang
So manches Schuhpaar verlässt nach einigen Jahren die Baumkrone und findet sich dann zu Füßen der Eiche. © Stephanie Zang

Tipp: Einen Besuch hier kann man wunderbar mit einem Ausflug zum Pulvermaar in Gillenfeld oder dem Vulkanhof (Ziegenhof Gillenfeld) verbinden und so zu einem tagfüllenden und abwechslungsreichen Ausflugsprogramm werden lassen.

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