Der sogenannte Stiefelbaum findet in der Vulkaneifel nahe Hontheim, direkt an der Bundesstraße B 421. Es handelt sich um eine einzelne Eiche am Straßenrand, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – wäre da nicht der ungewöhnliche „Schmuck“ in ihren Ästen: zahlreiche alte Stiefel und Schuhe. Seinen Namen verdankt der Baum einem Brauch aus der Zeit der Stationierung amerikanischer Streitkräfte in der Region.
Weitere Infos findet ihr hier…
Zwischen den 1960er-Jahren und 1991 befand sich in der Nähe eine militärische Anlage, unter anderem eine Fliegerabwehrbatterie der US-Armee. Viele Soldaten, die dort ihren Dienst ableisteten, pflegten ein Ritual zum Ende ihrer Dienstzeit: Am Tag ihrer Entlassung warfen sie ihre zusammengeschnürten Militärstiefel in den Baum.

Mit diesem Brauch war ein Aberglaube verbunden: Blieben die Stiefel in den Ästen hängen, galt das als Zeichen dafür, dass der Soldat endgültig nach Hause zurückkehren konnte. Fielen sie hingegen wieder herunter, sollte dies bedeuten, dass eine erneute Versetzung nach Hontheim bevorstand. Dieses einfache Ritual verbreitete sich unter den Soldaten und führte dazu, dass sich im Laufe der Jahre immer mehr Stiefel im Baum sammelten.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Schließung der militärischen Einrichtungen im Jahr 1991 verlor der Baum seine ursprüngliche Funktion. Dennoch blieben viele der Stiefel erhalten und machten ihn zu einem sichtbaren Relikt dieser Zeit. Heute erinnert der Stiefelbaum damit nicht nur an ein ungewöhnliches Soldatenritual, sondern auch an die jahrzehntelange Präsenz amerikanischer Streitkräfte in der Eifel.
Wer genau hin sieht, wird jedoch nicht nur bzw. kaum noch amerikanische Stiefel dort entdecken, denn was als „Boot tree“ mit Soldatenstiefeln begann, wurde im Laufe der Jahre von anderen aufgegriffen: Wanderer, Besucher und Einheimische hängten ebenfalls Schuhe auf, sodass sich der Baum nach und nach füllte. Heute finden sich dort: Wanderstiefel, Turnschuhe, Ballerinas und viele mehr. Sicherlich hat jedes Paar seine ganz eigene Geschichte und dessen Wurf hinein in die Äste seine eigene Bedeutung für die einstigen Besitzer.


In den 2000er-Jahren wurde die Bedeutung des Baumes auch lokal stärker wahrgenommen. Ein Verein, die „Freunde des Stiefelbaumes“, engagierte sich für seinen Erhalt und seine Pflege. Ziel ist es, den Baum als Teil der regionalen Geschichte zu bewahren und gleichzeitig auf seine besondere Herkunft aufmerksam zu machen. Dazu gehören auch Maßnahmen wie Informationstafeln oder Sitzgelegenheiten für Besucher.


Heute ist der Stiefelbaum ein kleiner, aber bekannter Anlaufpunkt in der Region. Er liegt gut sichtbar an der Straße und wird oft im Vorbeifahren entdeckt. Für viele ist er eine Kuriosität, für andere ein Stück Zeitgeschichte. In jedem Fall verbindet er auf ungewöhnliche Weise Natur, Erinnerungskultur und ein Ritual, das aus einer ganz bestimmten historischen Situation heraus entstanden ist.


Tipp: Einen Besuch hier kann man wunderbar mit einem Ausflug zum Pulvermaar in Gillenfeld oder dem Vulkanhof (Ziegenhof Gillenfeld) verbinden und so zu einem tagfüllenden und abwechslungsreichen Ausflugsprogramm werden lassen.
