Ruine Karlsburg (Seibersbach im Hunsrück)

Versteckt im dichten Utschen Wald, unweit der Grenze zwischen Seibersbach und Rheinböllen, liegt ein stiller Zeuge vergangener Zeiten: die Ruine der Karlsburg. Hoch über dem Guldenbachtal erhebt sich auf einem schroffen Felsen ein einsamer Aussichtsturm – das letzte erhaltene Fragment einer einstigen, neugotischen Fantasieburg.

Weitere Infos bekommt ihr hier!

Erbaut wurde die Karlsburg um 1878 durch den Industriellen Carl Puricelli, dem unter anderem die Rheinböllerhütte und die Stromberger Neuhütte gehörten. Der Bau diente nicht militärischen Zwecken, sondern war ein romantisch inszeniertes Jagd- und Lustschlösschen, das an eine mittelalterliche Ritterburg erinnern sollte.

Das Gelände um die Ruine ist heute weitgehend überwachsen. Der Weg dorthin ist steil, was den Zugang deutlich erschwert. In den Wintermonaten lässt sich die Burg allerdings gut von der L214 (ehemals B50) aus erkennen. © Stephanie Zang

Die Familie Puricelli prägte über Generationen hinweg die Region rund um Rheinböllen. Ursprünglich aus Italien stammend, heiratete Carl Wilhelm Anton Puricelli 1791 in das Eisenwerk der Familie Utsch ein. Daraus entstand die bedeutende Rheinböllerhütte, die später unter „Gebrüder Puricelli“ einen enormen Aufschwung nahm. Die Puricellis waren jedoch nicht nur erfolgreiche Industrielle, sondern engagierten sich stark sozial: Sie gründeten Krankenhäuser, Kapellen, unterstützten kirchliche Bauprojekte und führten ein Waisenhaus in Rheinböllen. Mit dem Tod von Baronin Clara Kirsch-Puricelli 1993 endete die Puricelli-Linie in Deutschland – ihr Erbe aber bleibt insbesondere im Hunsrück und angrenzenden Regionen sichtbar.

Der Standort der Karlsburg wurde wohl bewusst gewählt, mit weitem Blick über das Tal und zur Grube Alexandra auf der gegenüberliegenden Seite.

Inzwischen gehört die Rheinböllerhütte der Continental-AG. © Stephanie Zang

Der Bau bestand vermutlich aus mehreren Gebäuden, heute ist jedoch nur noch der quadratische Turm erhalten, etwa acht bis zehn Meter hoch. Er besitzt ein ebenerdiges Geschoss mit mehreren Fenstern, die einst einen weiten Rundumblick boten, sowie einen Zugang zum ersten Stock über eine Außentreppe. Dort befand sich ein einzelner Raum mit einem Holzschrägdach, das nur von der Rückseite sichtbar war. Weitere Gebäude oder begehbare Zinnen gab es nicht – von der Talseite erzeugten lediglich angedeutete Türmchen die Illusion einer Burganlage.

Der weithin sichtbare und noch erhaltene Turm der einstigen Karlsburg. © Stephanie Zang
Hier führte der Weg ins Obergeschoss und damit zu einem herrlichen Weitblick über den Hunsrück. © Stephanie Zang
Schiefer und Sandstein prägen die Bausubstanz der Burg. © Stephanie Zang

Da sich die Ruine auf Privatgelände befindet und die Bausubstanz stark beschädigt ist, ist das Betreten inzwischen untersagt. Warnhinweise schützen sowohl das bröckelnde Mauerwerk als auch mögliche Besucher, denn das Gelände ist einsturzgefährdet.

Inzwischen sind Mauerwerk und Gelände von Efeu und Baumtrieben überwachsen. © Stephanie Zang
Teile der Ruine gelten als einsturzgefährdet. © Stephanie Zang

Sie ist dennoch – auch mit einigen Metern Abstand betrachtet – ein lohnendes Ausflugszielt, das von Rheinböllen oder Seibersbach aus gut mit dem Rad oder als Wanderung zu Fuß zu erreichen ist. Dabei taucht man ein in die wunderbare Hunsrücker Natur und kann unterwegs Wald und Weitblick sowie sicherlich auch manches Picknick am Wegesrand genießen.

Ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad – ein Ausflug hierher lohnt sich. © Stephanie Zang
Gerade an sonnigen Tagen lohnt es sich den Weg zur Burg aufzunehmen und dabei die Ruhe und Schönheit des Waldes zu genießen. © Stephanie Zang

Die Karlsburg bleibt ein faszinierendes Relikt – ein romantisches Denkmal einer Zeit, in der die Idee des Mittelalters auf märchenhafte Weise verklärt wurde. Als eingetragenes Kulturdenkmal erinnert sie an die Ästhetik und das Lebensgefühl des 19. Jahrhunderts – und auch an die vergängliche Schönheit der Vergangenheit.

Kommentar verfassen