Eishöhlen Birresborn (Eifel)

Dunkle Gänge, mächtiges Basaltgestein und Temperaturen, die selbst im Hochsommer nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt liegen: Oberhalb von Birresborn verbirgt sich eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Vulkaneifel. Die Birresborner Eishöhlen wirken auf den ersten Blick wie ein Werk der Natur. Tatsächlich steckt hinter ihnen aber eine jahrhundertelange Geschichte aus Vulkanismus, Bergbau und menschlicher Nutzung.

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Ihren Anfang nahm diese Geschichte lange bevor Menschen hier Stollen in den Berg trieben. Vulkanische Aktivität formte die Landschaft rund um Birresborn. Ein Lavastrom des Vulkan Kalem gelangte in das damalige Kylltal und hinterließ unterschiedliche vulkanische Gesteine. Neben dichtem Säulenbasalt entstand auch poröse Basaltschlacke – ein Material, das sich hervorragend bearbeiten ließ.

Das Gebiet um die Eishöhlen ist felsig und vulkanisch wie die ganze Eifel. © Stephanie Zang

Genau dieses Gestein machte sich der Mensch zunutze. Über lange Zeit wurde unter Tage Material für die Herstellung von Mühlsteinen gewonnen. Dadurch entstanden Hohlräume, Gänge und Kammern, die wir heute als Birresborner Eishöhlen kennen. Insgesamt werden vier durch den Mühlsteinabbau entstandene Höhlen gezählt.

Der Abbau von Mühlsteinen führte zur Entstehung des heutigen Höhlensystems. © Stephanie Zang

Damit sind die Eishöhlen streng genommen also gar keine klassischen Höhlen. Sie wurden nicht über Jahrtausende von Wasser ausgewaschen, sondern sind ein Relikt historischen Bergbaus. Noch heute lassen sich im Inneren Spuren dieser Arbeit erkennen.

Den Namen „Eishöhlen“ brachte ihnen die besondere Lage und Form der unterirdischen Räume ein. Dort herrschen ganzjährig ausgesprochen niedrige Temperaturen. Die Tourist-Information gibt Werte von etwa minus einem bis plus sechs Grad Celsius an. Kalte Luft kann sich in den tiefer gelegenen Bereichen sammeln und wird dort gewissermaßen eingeschlossen. Nach kalten Wintern können sich deshalb beispielsweise Eiszapfen außergewöhnlich lange halten – teilweise bis weit in die wärmere Jahreszeit hinein.

Wer sich über die Eishöhlen informieren möchte, findet mehrere Schautafeln mit spannenden Fakten zu diesen. © Stephanie Zang

Wer an einem warmen Sommertag vom Wald an einen der dunklen Eingänge tritt, merkt den Unterschied sofort. Innerhalb weniger Schritte wechselt man von sommerlichen Temperaturen in eine beinahe kühlschrankartige Umgebung. Bereits die Zuwegung ist kühler als der übrige Wald.

Bereits vor den Höhlen spürt man die kühlen Temperaturen, die den Höhlen ihren Namen gaben. © Stephanie Zang

Die Menschen erkannten diesen Vorteil natürlich schon früh. Nachdem der Abbau von Mühlsteinen seine Bedeutung verloren hatte, bekamen die Höhlen neue Aufgaben. Aufgrund ihrer konstant niedrigen Temperaturen wurden sie als natürliche Eiskeller und Kühlräume genutzt. Lebensmittel konnten hier deutlich länger gelagert werden als oberirdisch – lange bevor es Kühlschränke gab.

Das Höhlenystem ist verwinkelt und finster – der ideale Zufluchtsort für Fledermäuse. © Stephanie Zang

Doch die unterirdischen Räume dienten nicht nur der Lagerung. In Krisen- und Kriegszeiten suchten Menschen hier Schutz. Auch während des Zweiten Weltkriegs wurden die ehemaligen Abbaustätten als Zufluchtsort genutzt. So erzählen die Höhlen gleich mehrere Kapitel der regionalen Geschichte: vom Vulkanismus über den Mühlsteinabbau und die Vorratshaltung bis hin zu Zeiten, in denen die dunklen Gänge Menschen Schutz bieten mussten.

Heute haben andere Bewohner die Höhlen für sich entdeckt: Fledermäuse nutzen sie als Winterquartier. Die gleichmäßig niedrigen Temperaturen und die geschützte Lage bieten gute Bedingungen für die Tiere. Deshalb gelten besondere Regeln für Besucher: Die Tourist-Information nennt für die Birresborner Eishöhlen derzeit eine Öffnungszeit vom 15. April bis 15. Oktober. Während der übrigen Monate sollen die überwinternden Fledermäuse nicht gestört werden.

Ein Besuch der Höhlen ist übrigens durchaus ein kleines Abenteuer. Wer hinein möchte, sollte eine Taschenlampe und festes Schuhwerk dabeihaben. Unebener Boden, Dunkelheit und niedrige Decken gehören zum Erlebnis dazu…

Trittsicherheit und keine Angst im Dunkeln sind in dem engen Höhlensystem ebenso von Vorteil wie eine funktionierende Taschenlampe. © Stephanie Zang

Auch die Umgebung lohnt sich. Eine ausgeschilderte Rundwanderung zu den Eishöhlen ist etwa fünf Kilometer lang, benötigt ungefähr anderthalb Stunden und überwindet rund 150 Höhenmeter. Sie gilt als leichte Tour und verbindet den Höhlenbesuch mit der vulkanisch geprägten Landschaft oberhalb Birresborns.

Die Aussicht von der Rastbank direkt bei den Eishöhlen reicht weit über die Eifel, auch manche Rundwanderwege führen hier entlang. © Stephanie Zang

Wer genauer wissen möchte, was sich unter der Erde abgespielt hat, kann die Höhlen zudem im Rahmen von Führungen erkunden, bei denen die Geschichte des Mühlsteinabbaus, die spätere Verwendung als Eiskeller und Zufluchtsort sowie die heutige Bedeutung für Fledermäuse erläutert werden.

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