Wer einen Ausflug an die Mosel plant oder gar hier geboren und aufgewachsen ist, der kommt nicht umhin sich sowohl mit dem süßen Rebensaft, als auch mit dessen Geschichte und Weg an die Mosel, auseinanderzusetzen. Wie schön ist es da, wenn Geschichte zu etwas Greifbarem und Erlebbarem wird. So wie beispielsweise in der Römischen Kelteranlage in Brauneberg aus dem 3. Jh. nach Christus. Bei einem Rundgang durch diese wird, dank der vielen ausführlichen Beschilderungen, die römische Arbeitsweise bei der Weinherstellung für Groß und Klein eindrucksvoll erklärt.
Weitere, ausführlichere Infos zur Anlage: siehe unten…
Eintritt: frei
Öffnungszeiten: Die Kelteranlage ist frei zugänglich und rund um die Uhr zu besichtigen
Spaß für die ganze Familie: ★★★ (Wie die Römer früher ihren Wein produzierten ist spannend für Groß und Klein und lohnt einen gemeinsamen Familienausflug, spezielle Angebote für Kinder gibt es hier jedoch nicht.)
Barrierefrei: ☹ (Eingeschränkt geeignet für Personen im Rollstuhl oder mit Gehbehinderung. Leider sind den Weg hinauf zur Kelteranlage einige Stufen zu überwinden und auch in der Kelteranlage selber ist der Boden sehr uneben.)
Kinderwagen: ☺(Die Treppenstufen kann man einen Kinderwagen durchaus hochtragen.)
Haustiere: Hunde sind hier erlaubt.
Kontakt / Link: http://www.brauneberg.de/cms/front_content.php?idcat=81&lang=1 oder Mail an info@brauneberg.de, Telefon: 06534-933333
Koordinaten: 49°54’50.2″N 6°59’45.5″E
Navigation: Die Anlage befindet sich an der B53 zwischen Lieser und Kesten (links der Mosel), Karte.
Good-to-know: Wer möchte, kann eine Besichtigung der römischen Kelteranlage auch mit einer kleinen Weinbergsführung, einer Weinprobe und auf Wunsch sogar einem kleinen römischen Essen kombinieren. Dies alles jedoch nur nach vorheriger Terminvereinbarung, idealerweise über die Touristinformation vor Ort: info@brauneberg.de
Ausführliche Informationen:
Bei der Flurbereinigung im Jahr 1990 staunten die Verantwortlichen nicht schlecht, als sie am Fuß des von den Römern als „Dulcis mons“ (Süßer Berg) genannten Prallhangs, auf dem heute die Weinlage „Brauneberger Juffer“ angebaut wird, Hinweise auf ein römisches Gebäude fanden – eine altrömische Kelteranlage! In Zusammenarbeit mit Experten des Rheinischen Landesmuseums in Trier gelang es in den darauffolgenden Jahren einen Teil des geschichtsträchtigen Bauwerks wieder ans Tageslicht zu holen. Zwar wurde die Arbeit durch starke Niederschläge mit Erdrutschen erschwert, doch es siegte der Wille, dieses Stück Kultur der Nachwelt zu erhalten und so wurde die Anlage über mehrere Jahre, ganz im Sinne der Bauweise der alten Römer, wieder hergerichtet.
Und die fleißigen Helfer wurden für ihre Arbeit belohnt: 1997 war es endlich soweit und zur feierlichen Einweihung kehrten sogar die alten Römer zurück an die Mosel und zeigten in originalgetreuen Gewändern die Arbeiten im Weinberg, in der Kelteranlage sowie den Transport des Mosts über die Mosel ins heutige Brauneberg, wo er vergoren und verkauft wurde. Zwar handelte es sich dabei um eine – verglichen mit den heutigen Maßstäben – nur „kleine“ Ausbeute, doch die Begeisterung, die das Spektakel bei Zuschauern und Mitwirkenden entfachte, erwies sich als der wahre Lohn. Zu Römerzeiten hatte der Most seinen Weg ursprünglich übrigens garnicht nach Brauneberg gefunden: Über den Fluss war er entlang des Treidelpfades nach Trier transportiert worden. Pferde hatten dabei die Schiffe flussaufwärts gezogen.
Solche und andere Erklärungen zum Wirken der Römer finden sich heute auf großen Tafeln im Keltergebäude selbst. Diese veranschaulichen den Weg des Weines durch die einzelnen Becken. Beeindruckend ist hierbei auch der erhaltene 2,5 Tonnen schwere alte Kelterstein mit seinem Kelterbaum (letzterer jedoch wieder neu hinzugefügt). Zudem wurde am Fuße der Anlage ein römischer Weingarten errichtet, in welchem fünf Reihen Reben auf dem, wie zu Römerzeiten üblichen, „Trierer Rad“ hochgezogen werden – eine heute nicht mehr gängige Erziehungsmethode für den Wein.
Entlang der Mittelmosel hat man seit den 1970er Jahren bisher ganze zwölf solcher Kelteranlagen freigelegt! Vielleicht erklärt sich dieser große Bedarf zu Zeiten der Römer ja damit, dass es damals sogar eine Vorschrift gab, die jeden römischen Soldaten 1,5 l Wein pro Tag zu trinken befahl. Die Kelter in Brauneberg ist jedoch die bisher älteste und am besten erhaltendste, die im Moseltal gefunden wurde. Sie wurde auf das 3. Jh. nach Christus datiert. Die römische Besatzung Germaniens dauerte bis ins 6. Jh. nach Christus fort (was auch Trier – „Augustus Treverorum“ – zu dem werden ließ als was wir es heute kennen – der nördlichen Hauptstadt des römischen Reiches). Auf ihrem Vormarsch kultivierten die Römer den Weinanbau an der Mosel. Durch die steilen Berge, die einen guten Einfallswinkel der Sonne garantieren, den Wärme speichernden Schiefer und das milde Klima, war das Moseltal der ideale Ort für diese Bemühungen… Und ist es nach wie vor, wovon die unverändert den Fluss säumenden „Reihen eines Amphitheaters“, wie der römische Dichter Decimus Magnus Ausonius die Weinbergshänge einst nannte, noch heute zeugen.
Fazit: Ein Besuch der altrömischen Kelteranlage Brauneberg eignet sich für einen geschichtlich wertvollen und zugleich spannenden Tagesausflug mit der ganzen Familie. Und mit der ein oder anderen Flasche Wein oder Traubensaft im Picknickkorb und vielleicht auch mit einer Wanderung im sonnigen Weinberg, wird hier die Geschichte der Römer und des Weins fühl- und schmackhaft erlebbar…



