Traben-Trarbacher Unterwelt

Wer Traben-Trarbach – einst um 1900 nach Bordeaux der zweitgrößte Weinumschlagplatz Europas – besucht, denkt vielleicht zuerst an Wein, an Jugendstil und Moselromantik. Doch unter der Oberfläche dieser Stadt verbirgt sich ein ganz eigenes Stück beeindruckender Geschichte. Denn unter den Straßen und Häusern liegen zahlreiche alte Kellergewölbe von teils erstaunlicher Größe, die bis heute erhalten sind und Besuchern einen eindrucksvollen Blick in die Vergangenheit des Weinhandels gewährt. Seit nunmehr fast 20 Jahren haben sich Führungen durch diese „Traben-Trarbacher Unterwelt“ etabliert, ebenso wie seit 2011 ein jährlich stattfindender unterirdischer Weihnachtsmarkt, der Mosel-Wein-Nachts-Markt.

Weitere Infos und Bilder gibt es hier…

Inzwischen umfasst der im Rahmen von Führungen zugängliche Teil der Unterwelt über 30 Keller und damit noch längst nicht alle, die die Doppelstadt zu bieten hat. Doch warum finden sich hier so viele Weinlager unter den Häusern? Die Antwort liegt in der Geschichte: Um 1900 war Traben-Trarbach ein bedeutendes Zentrum des internationalen Weinhandels. Riesling aus der Moselregion war gefragt und damit wuchs auch der Bedarf an Lagerraum. Da oberirdisch kaum Platz war, schuf man unterirdisch Abhilfe. Die Folge: Ein Netz aus großen, jedoch nur selten miteinander verbundenen Kellern – einige davon zweigeschossig und viele über hundert Meter lang.

Der Brückenkeller auf der Trabener Moselseite erstreckt sich über viele hintereinander geschaltete Gewölbe und ist Teil des Mosel-Wein-Nachts-Marktes. © Stephanie Zang

Was damals reine Notwendigkeit war, ist heute ein faszinierender Ort für Neugierige, Geschichtsinteressierte – und alle, die eine etwas andere Seite der Stadt kennenlernen wollen. Jahrzehntelang standen die Kelleranlagen leer. Die beiden Weltkriege hatten die Nachfrage nach Wein deutlich zurück gehen lassen, teilweise waren die Gewölbe als Schutzräume bei Bombenangriffen genutzt worden. Danach gerieten sie in Vergessenheit, dienten als Lager oder blieben gänzlich ohne Nutzung. Mehr durch einen Zufall, durch eine weinbezogenen Führung durch eines dieser Gewölbe im Rahmen eines Weinfestes, merkte man wie groß einerseits das Interesse der Einheimischen und Gäste an diesen Kellern war und andererseits auch wie umfangreich das Kellernetz, dass die Stadt durchzieht. Die sich stetig fortentwickelnde Idee zu den Führungen durch die Traben-Trarbacher Unterweltw ar geboren.

Im Ambiente der alten Gewölbe findet sich eine Sammlung an historischen Arbeitsgeräten für Weinberg und Weinkeller. © Stephanie Zang

Diese zeigen verschiedene historische Kelleranlagen, die zum Teil noch original erhalten oder liebevoll restauriert sind. Neben den klassischen Gewölbekellern finden sich auch solche, die (insbesondere auf Trarbacher Seite) in den Fels hinein getrieben wurden. Vereinzelt sind auch oberirdische Lagergewölbe zu finden.

Manche Keller sind schlicht, andere zeigen noch eindrucksvoll, wie dort früher Fässer gelagert, Wein verarbeitet oder verkauft wurde. Auch die stetig wachsende Nachfrage nach dem Rebensaft ist in manchen von ihnen gut nachzuvollziehen, finden sich darin doch gigantische Tanks zur Lagerung von mehreren tausend Litern Wein.

Die Temperatur liegt in den Kellern dabei konstant bei etwa 12 Grad – ideal für Wein, aber auch für eine willkommene Abkühlung an heißen Sommertagen.

Nanu? Wo sind wir denn nun gelandet? Bei konstant kühlen 12°C lässt sich hier auch an den heißesten Sommertagen ein angenehmes Picknick mit Blick auf die Mosel genießen. Eine große Wandmalerei zaubert diese Illusion einer Höhle am Berg. © Stephanie Zang

Einen Gesamtüberblick über die Keller der Traben-Trarbacher Unterwelt mit wissenswerten Informationen findet man hier. Besonders ins Auge fällt bei den Führungen der sogenannte Brückenkeller, auf Trabener Seite gelegen. In mehreren großen, in Stein gehauenen Abteilungen wurden früher Fässer mit jeweils tausend Litern Wein gelagert. Wer heute dort eintritt, betritt einen Ort voller Geschichte – kühl, gedämpft beleuchtet, mit mächtigen Gewölben und Spuren früherer Arbeit.

Im Rahmen einer Unterweltführung erfährt man so manches über den Werdegang des Weines im Laufe seiner Wandlung von der Traube zum fertigen Getränk . © Stephanie Zang

Wie diese Arbeiten im Weinberg und den Kellern früher abliefen zeigt hier die Dauerausstellung „Von der Rebe bis ins Glas“. Unter diesem Motto werden alte Werkzeuge, Geräte und Fotografien gezeigt, die den Weg des Weines veranschaulichen – vom Weinberg über die Kelter bis zur Abfüllung. Dabei darf man auch durchaus mal selber Hand anlegen und ausprobieren. Auf diese Weise erfährt und erlebt man hautnah, in welchem Umfeld und mit welch teils bereits technisch sehr ausgeklügelten Methoden dereinst der Wein erzeugt wurde.

Wie wurde der Wein gelagert, verschickt, verkorkt und ettikettiert? All dies kann man hier erfahren. © Stephanie Zang

Dieses Zusammenspiel aus Funktion, Geschichte und Atmosphäre ist nicht nur für Erwachsene jedes mal ein informatives und interaktives Highlight. Regelmäßig gibt es auch Kinderführungen durch die alten Weinkeller. Die Traben-Trarbacher Unterwelt ist somit keine bloße Kulisse – sondern erlebbare Geschichte der Lebensader einer ganzen Region. An verschiedenen ausgewählten Tagen im Jahr ist der Brückenkeller auch ohne Führung zugänglich, Informationsblätter geben dann Auskunft über die Funktion und Bedeutung der ausgestellten Gerätschaften.

Solche Keltern finden sich heute zumeist nur noch als Dekoration, schön bepflanzt in dem einen oder anderen Vorgarten. © Stephanie Zang

Die Führungen durch die Traben-Trarbacher Unterwelt dauern etwa 90 Minuten und finden regelmäßig statt – vor allem in den Sommermonaten oder im Rahmen von Veranstaltungen wie dem Mosel-Wein-Nachts-Markt. Dabei werden zumeist drei Keller besichtigt und auch ein Glas Wein kann verkostet werden.

Tipp: Auch individuelle Gruppenführungen können gebucht werden. Weitere Infos gibt es hier.

Fazit
Die Unterwelt von Traben-Trarbach ist kein Spektakel im klassischen Sinne – und gerade das macht ihren Reiz aus. Wer hierherkommt, sollte sich Zeit nehmen, um zu sehen, was andere übersehen: Gewölbe, die mehr als hundert Jahre alt sind, Geschichten von Arbeit und Wein und eine völlig neuer Blickwinkel auf diese charmante Doppelstadt an der Mosel.

Wenn ihr mal wieder an der Mosel seid, schaut vorbei. Es lohnt sich. © Stephanie Zang

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